http://www.focus.de/gesundheit/news/medizin-mitten-im-leben-herzinfarkt_aid_595220.html

Über Jahre entsteht unbemerkt, was in Sekunden tötet. Unter dem Einfluss schädlicher Risikofaktoren, darunter Blutfettstörungen, Bluthochdruck, bauchbetontes Übergewicht, Stress und Bewegungsmangel, verengen sich die Gefäße des Herzens. „Solange noch 30 oder 40 Prozent der Gefäßöffnung durchgängig sind, macht das kaum Probleme“, erklärt der Hamburger Vorsorgemediziner Thomas Stein. Aber schon geringe Belastungen können die dramatische Wende bringen. „Ein üppiges Abendessen ist häufig der Anlass. Blut versackt nach der Mahlzeit im Bauchbereich, das Herz muss stärker pumpen – und dann passiert es.“ Eine sogenannte Plaque aus Cholesterin- und Kalkablagerungen an der Engstelle bricht auf, und dadurch ausgelöste Blutgerinnsel verstopfen das Gefäß vollkommen. Muskelgewebe hinter dem Verschluss stirbt ab.

Zwar waren Retter des nahen Cedars-Sinai Medical Center nur Minuten später bei Eichinger, doch helfen konnten sie ihm nicht mehr. Über Leben und Tod entscheidet, an welcher Stelle des Gefäßbaumes der Infarkt auftritt. „Verschlüsse des Hauptstammes der linken Koronararterie sind oft tödlich, da große Anteile des Herzmuskels darüber versorgt werden“, so Kardiologe Stein. Es kommt zum Pumpversagen. „Ebenso gefährlich sind Infarkte an neuralgischen Stellen, wo die elektrischen Impulse des Herzschlags entstehen oder geleitet werden.“ Fallen sie aus, „flimmert“ das Herz, schlägt unkoordiniert und befördert kaum noch Blut.

Nur wenn es gelingt, die aus dem Takt geratene Herzelektrik mit Stromstößen aus einem Defibrillator neu zu starten, ist Rettung möglich. So schnell wie es geht weiten Ärzte die Infarktzone mit einem über die Leistenarterie eingeführten Ballon-Katheter auf. Eingebrachte Mini-Metallgitter im Gefäß verhindern dessen unmittelbaren Wiederverschluss.

Rauchen und Stress sind die größten Gefahren für das Herz“, sagt Kardiologe Stein. Im Hamburger Diagnostik Zentrum untersucht er täglich Führungskräfte auf Herz und Nieren. Zunächst mit Belastungs-EKG und Bluttests; falls sich ein Verdacht ergibt, auch auf Herzkalk im Computertomografen. Engstellen sind auf Angiografie-Bildern leicht als Unterbrechung der Arterie zu entdecken.

„Viele, die zu uns kommen, kennen ihre Risikofaktoren nicht“, berichtet Stein, „und wer sie kennt, unterschätzt und verdrängt deren Bedeutung leider oft.“ Diskrete Zeichen wie Luftnot und ein bisschen Brustschmerz bei Belastung werden meist umgedeutet, etwa als harmlose Bronchitis. Wen der Infarkt ohne Vorwarnung trifft, so seine Erfahrung, der hat auf die Warnzeichen nicht geachtet.

Gerade wenn nahe Verwandte in jungen Jahren einen Herzinfarkt erlitten haben, sollte man einen Arzt prüfen lassen, ob man selbst ebenfalls gefährdet ist. Häufig sind erbliche Fettstoffwechselstörungen der Grund für vorzeitige Gefäßschäden. Bernd Eichingers Vater starb an einem Infarkt. Seine Schwester erlag 2006 ebenfalls einem Herzinfarkt: Die Ärztin war im Alter von nur 60 Jahren beim Autofahren tot zusammengebrochen.