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Landwirtschaft, Arbeit, Handel

Land grabbing

Globale Jagd nach Ackerland

Die Weltbevölkerung nimmt zu, fruchtbares Ackerland nimmt weltweit ab. In den letzten 20 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Agrarfläche pro Kopf halbiert. Ölstaaten wie Saudi-Arabien, die wenig Agrarland, aber viel Geld haben, leiten eine neue Form des Kolonialismus ein: Sie erwerben oder pachten riesige Ackerflächen in Afrika und Asien.

„Eine Farm wie unsere finden sie sonst nirgends! Wir produzieren hier Erdbeeren, Tomaten, Salate, Kräuter, Zucchini, Spargel – 85 verschiedene Sorten das ganze Jahr hindurch.“ Jan Prins schwärmt von Äthiopien. Seit fünf Jahren arbeitet der Holländer in dem Land, das man eher mit Hunger als mit Gemüse assoziiert. Woche für Woche produziert er 180 Tonnen Gemüse.

Mit Ausnahme seiner 3.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bekommen die Äthiopierinnen und Äthiopier davon kaum etwas zu sehen. „Wir beliefern Kunden, die höchste Qualität erwarten. Zum Beispiel die Fünf-Sterne-Hotels in Dubai, in Katar und Saudi-Arabien. Sie geben am Morgen ihre Bestellung auf, mittags verlassen unsere Produkte die Farm, abends sind sie am Flughafen und am folgenden Morgen beim Kunden.“ Ungefähr 800.000 US-Dollar erwirtschaftet Jan Prins pro Monat.

Gemüseexporte trotz Hunger im Land

Das World Food Program der Vereinten Nationen hat in Äthiopien eines seiner größten Länderprojekte. Etwa sieben Millionen Menschen bekamen 2010 Nahrungsmittelhilfe, weil sie unter- oder mangelernährt sind. Jan Prins sieht keinen Widerspruch darin, Gemüse zu exportieren, obwohl im eigenen Land Menschen hungern. Ganz im Gegenteil, es sei eine Win-win-Situation: „Die Regierung braucht Devisen. Wir bringen die Devisen ins Land, damit sie Weizen für die Hungernden kaufen kann.“

Die 20-jährige Sanait arbeitet seit einem Jahr auf der Farm von Jan Prins. Sechs Tage pro Woche pflanzt oder erntet sie Gemüse. Verdienst: 16 Euro im Monat. Das reicht gerade zum Überleben, manchmal müssen ihr die Eltern mit Mehl aushelfen. Sie wohnt in einer fensterlosen Kammer mit gestampftem Lehmboden. Von der Decke baumelt eine Glühbirne, das Wasser schleppt sie 500 Meter weit im Kanister heran. „Ich habe noch nie von dem Gemüse gegessen, das auf der Farm angebaut wird. Ich kann es mir nicht leisten, und es ist verboten, auf der Farm etwas davon zu probieren.“

Profite für Investmentfirmen

Jan Prins‘ Gemüsefarm ist nur ein kleines Beispiel für einen Trend, der sich derzeit in vielen Ländern Afrikas und Asiens beobachten lässt. Ausländische Investoren sichern sich Ackerland, eine zunehmend knappe und damit kostbare Ressource, mit der sich sehr viel Geld verdienen lässt. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Agrarfläche pro Kopf halbiert. Bis 2050 wird sie sich noch einmal halbieren. Lebensmittel werden knapp, die Preise steigen. Allein 2009 sind 100 Millionen Menschen zusätzlich zu Hungernden geworden.

Für internationale Investmentfonds bedeutet die Verknappung von Agrarland ein hochprofitables Geschäft. Sie haben geschätzte 20 Milliarden Dollar eingesammelt, um Agrarland zu kaufen. Ihren Investoren versprechen sie Renditen von 25 bis 30 Prozent. Susan Payne, Gründerin der Investmentfirma Emergent, zählt zu den Pionierinnen und Pionieren in diesem Bereich. Ihr Unternehmen betreibt in Sambia und den Nachbarländern mehrere Großfarmen.

Ein 2005 gestartetes Pilotprojekt erzielte in dreieinhalb Jahren 120 Prozent Gewinn, berichtete sie auf einer Investoren-Konferenz in Genf im November 2010. Investitionen im Agrarbereich, sind die Veranstalter überzeugt, werden sich in den nächsten Jahren vervielfachen.

Der Rosen-Kaiser

Ramakrishna Karuturi hat ein Siegerlächeln und strahlend weiße Zähne. Man könnte ihn als Rosenkönig bezeichnen, 555 Millionen Rosen produziert er pro Jahr. Nun möchte er Agrarkaiser werden. Von der äthiopischen Regierung hat er 311.000 Hektar Ackerland gemietet – eine Fläche, die fast so groß ist wie das Burgenland. Eine Win-win-Situation, sagt auch er. Die Äthiopier bekommen Kapital, Know-how, Arbeitsplätze und Devisen aus den Exporterlösen, er bekommt Land, Wasser und billige Arbeitskräfte. Ab 2013 rechnet er mit einem jährlichen Gewinn von 100 Millionen Dollar.

In Bako, 220 Kilometer westlich der Hauptstadt, hat er vor zwei Jahren mit einer 10.000-Hektar-Farm begonnen und erzeugt derzeit Saatgut für Reis und Mais. Die Dorfbewohner haben sich große Hoffnungen gemacht: Jobs, Trinkwasser und eine Straße. Doch nach zwei Jahren sind sie nicht mehr gut auf die Inder zu sprechen.

Der Bauer Tigre Mamo klagt: „Wie mein Vater habe ich auf unseren Feldern Getreide angebaut und mein Vieh weiden lassen. Dann kamen die Behörden und sagten, euch gehören nur die Felder mit roter Erde, die schwarze Erde ist Regierungsland und wird jetzt an ausländische Investoren vermietet.“ Nach und nach musste der Bauer sein Vieh verkaufen, und das wenige Getreide, das er noch erzeugt, reicht kaum für seine Familie. Zum Verkauf bleibt nichts mehr übrig. „Wir können unsere Kinder kaum noch ernähren.“

Ohne Rücksicht auf Menschen und Umwelt

Seine Beschwerden bei den lokalen Behörden blieben bisher erfolglos. Auch die versprochenen Jobs erwiesen sich als Enttäuschung: „Wenn man von früh bis spät unter der sengenden Sonne schuftet, verdient man gerade 10 Birr (45 Cent), wovon noch 2 Birr Steuern abgezogen werden. Das ist unerträglich. Wenn man etwas dagegen sagt, lautet die Antwort: ‚Wenn es Dir nicht passt, kannst Du gehen!'“

500 Kilometer westlich, nahe der sudanesischen Grenze, liegt eine weitere Farm des indischen Investors. In der ersten Phase will er hier im Tiefland auf 100.000 Hektar Ölpalmen, Reis und Zuckerrohr anbauen. Auf einer Strecke von 80 Kilometer, links und rechts einer Schotterpiste, liegen die künftigen Felder.

Dank der Flüsse Baro und Alwero könne man die Plantagen hier ganzjährig bewässern, schwärmt der Farmmanager. Doch wie sich das Abholzen der Wälder und die Bewässerung auf den Wasserstand und die Fische im Fluss auswirken werden, weiß niemand. Es gab keinerlei Umweltverträglichkeitsstudie. Und so hat auch niemand bemerkt, dass genau die Gebiete an die indischen Investoren vergeben wurden, in welchen seltene Storch- und Antilopenarten leben. Deutsche Experten, die die äthiopische Naturpark-Verwaltung beraten, schlagen nun Alarm. Rund 800.000 Sumpf-Antilopen werden ihren Lebensraum verlieren. Eine Win-win-Situation?

Dorfbewohner vertrieben

Noch schlimmer ist das „land grabbing“ in Kambodscha. Hier werden nicht Antilopen, sondern Menschen aus ihrem Lebensraum vertrieben, um den ausländischen Investoren Platz zu machen. Unter Missachtung der Landgesetze hat sich im Süden des Landes der Politiker Ly Yong Path gemeinsam mit thailändischen Investoren 20.000 Hektar Ackerland gewaltsam angeeignet.

Als die Polizei Dorfbewohnerinnen und -bewohner von ihren Feldern vertrieb, wurden zwei Menschen erschossen, mehrere verletzt. Teng Kav, eine Dorfbewohnerin, hatte auf ihrem Land Hunderte von Mango- und Cashew-Bäumen gepflanzt. „Sie haben alles mit der Planierraupe zerstört. Meine Hütte haben sie angezündet und meine Wasserbüffel erschossen.“ Hunderte Familien hoffen bisher vergeblich auf Gerechtigkeit und angemessene Entschädigungen.

Mit europäischer Unterstützung hat Kambodscha zwar sehr fortschrittliche Landgesetze erlassen, doch niemand hält sich daran. Kambodscha zählt zu den korruptesten Ländern der Welt. Ly Yong Path profitiert von der Nachgiebigkeit der Europäer. Er hat mittlerweile die erste Lieferung Zucker von seiner Plantage nach Großbritannien verkauft. Die EU gewährt Kambodscha besondere Handelsprivilegien.

Text: Christian Brüser · 27.01.2012

Transcript der Ö1 Sendung:

DEUTSCHLANDFUNK	Sendung:
Hörspiel/Hintergrund Kultur	Dienstag, 22.02.2011
Redaktion: Karin Beindorff	19.15 ? 20.00 Uhr

land grabbing
Die globale Jagd nach Ackerland
Von Christian Brüser
Co-Produktion Deutschlandfunk / ORF

URHEBERRECHTLICHER HINWEIS

Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig.

? Deutschlandradio
- Unkorrigiertes Manuskript - 

O-Ton-Collage 

Ansage
land grabbing
Die globale Jagd nach Ackerland
Ein Feature von Christian Brüser

Atmo Packstation
O-TON Jan Prins (Mann, englisch)
Sprecher 1
Dieses Land ist wie geschaffen für den Gemüseanbau. Äthiopien ist eines der wenigen Länder der Welt, in welchen man das ganz Jahr hindurch produzieren kann. Uns stehen hier verschiedene Höhenlagen zur Verfügung. Broccoli zum Beispiel erzeugen wir auf 1900 Metern, Tomaten auf 16 Hundert Metern und Erdbeeren auf 2400 Metern ? wir brauchen uns nur auszusuchen, welche Temperatur wir brauchen. 

Autor
Äthiopien: Dürre ? ausgemergelte Gestalten ? Bob Geldof ? life aid ? we are the world ? hungrige Kinder mit riesigen Augen und großen Bäuchen. Und nun das hier: Äthiopien ein Land des Überflusses! In der kühlen Packstation der Jittu-Gemüsefarm in Debreseit, 50 km westlich der Hauptstadt Addis Abeba, sieht es aus, als hätte eine Feldgöttin ihr Füllhorn ausgeleert: Spargel, Radieschen, Kürbis, duftendes Basilikum.

Atmo Traktor 

O-TON Jan Prins (Mann, englisch)
In total 150 ha ...
Autor
Auf 150 Hektar baut der Holländer Jan Prins Gemüse an. Er stammt aus einer Tomatenzüchterfamilie. 2005 kam er als Berater für den Tomatenanbau nach Äthiopien und hat schnell gemerkt, dass Gemüseerzeugung hier noch viel profitabler ist als in den Niederlanden. Das Klima ist ideal, Arbeitskräfte billig und die lukrativsten Märkte der Welt sind nur zwei Flugstunden entfernt. 

O-TON Jan Prins (Mann, englisch)
Sprecher 1
Wir beliefern die Kunden im Nahen Osten, die höchste Qualität erwarten: Die 5-Sterne Hotels in Dubai, in Katar, Bahrein und Saudi-Arabien. Sie geben am Morgen ihre Bestellung auf, mittags verlassen unsere Produkte die Farm, abends sind sie am Flughafen und am folgenden Morgen beim Kunden. 

Autor
Äthiopier bekommen vom 5-Sterne-Gemüse kaum etwas zu sehen. Die Gemüsemärkte des Landes bieten ein tristes Bild: Kartoffeln, welkes Kraut, Avocados mit großen Steinen und wenig Fruchtfleisch. 

Atmo Pumpstation
Autor
Die computergesteuerte Pump-Station ist das Herzstück der High-Tech Farm. Man kann jeden Sektor der Farm einzeln ansteuern, um die Pflanzen mit Wasser und gleichzeitig mit Dünger, Herbiziden, Fungiziden oder Pestiziden zu versorgen. 

O-TON Jan Prins (Mann, englisch)
Sprecher 1
Pro Woche erzeugen wir 180 000 Kilogramm Gemüse und bringen damit jede Woche 200 000 Dollar ins Land. 

Autor
Gemüse in Spitzenqualität für die Ölmilliardäre ? und gleichzeitig ist jeder Zehnte der 80 Millionen Äthiopier vom Wohlwollen internationaler Geber abhängig. 

O-TON Jan Prins
Sprecher 1
Die Regierung braucht Devisen. Wir bringen Devisen ins Land und damit kann sie den Weizen für die Hungernden kaufen. Man kann nicht von kommerziellen Farmen erwarten, dass sie die Menschen ernähren. Aber wir haben hier 3000 Menschen angestellt, wir zahlen unsere Steuern, erwirtschaften Devisen und bringen viel Know-how ins Land. Menschen zu ernähren, die sich nichts kaufen können, ist die Aufgabe der Regierung. 

Atmo Ankommen im Quartier, Grillen
Autor
Abends im Quartier einer Arbeiterin der Gemüse-Farm. Sanait ist 20 Jahre alt. Gemeinsam mit einer anderen Arbeiterin lebt sie in einem 2 mal 2 Meter großen fensterlosen Verschlag. Gestampfter Lehmboden, in der Ecke liegt eine Matratze für beide Frauen, von der Decke baumelt eine Glühbirne. Wasser müssen die beiden kanisterweise kaufen und hunderte Meter heranschleppen. An der Lehmwand hängt ein Plakat mit indischen Filmstars, doch Sanait war noch nie im Kino.
Ihre Eltern leben in einem Dorf, zwei Autostunden entfernt. Die junge Frau arbeitet seit einem Jahr auf der Farm. 

O-TON Sanait (Frau, amharisch)
Sprecherin 2
Meistens ernte ich Gemüse, aber manchmal pflanze ich auch Setzlinge aus. Am liebsten ist mir das Veredeln.
Um 6 Uhr morgens muss ich auf der Farm sein. Wir arbeiten bis halb fünf am Nachmittag, mittags haben wir eineinhalb Stunden Pause. Ich arbeite 6 Tage pro Woche und verdiene 340 Birr im Monat.

Autor
340 Birr sind etwa 16 Euro. Während andere Leistungen der Farm relativ gut sind ? zum Beispiel die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ? ist der Lohn von 16 Euro im Monat auch für äthiopische Verhältnisse extrem gering. 

O-TON Sanait (Frau, amharisch)
Sprecherin 2
Ich muss jeden Monat mein ganzes Geld ausgeben. Manchmal helfen mir meine Eltern und schicken mir Mehl. 

Autor
 ... Mehl, um Fladen zu backen. Sanait isst jeden Tag Fladen. Fladen mit Linsenbrei. 

O-TON Sanait (Amharisch)
Sprecherin 2
Ich habe das Gemüse von der Farm noch nie gegessen. Es ist verboten, es zu probieren.
Atmo Weggehen vom Quartier, Husten Schritte 

Atmo Demonstration in Genf
Autor
Traktoren, Pappmaché-Schweine, Spruchbänder. Vor dem Intercontinental Hotel in Genf protestieren rund 50 Demonstranten gegen das, was im ersten Stock des 5-Sterne-Hotels an zwei Tagen im November 2010 stattfindet. Die Konferenz Global Ag Investing des Veranstalters Soyatech. Erst mals in Europa bringt diese Konferenz Unternehmen, die Kapital einsammeln, um es weltweit in Agrarland zu investieren, mit Investoren zusammen, die sich davon sichere und hohe Renditen versprechen. Sie vertreten Pensionsfonds, Forschungsstiftungen, Versicherungen und Investmenthäuser. 

O-Ton Luiggi D'Andrea (französisch)
Autor
Die Teilnehmer der Konferenz sprechen von "ausländischen Direktinvestitionen in die Landwirtschaft", die Demonstranten von "landgrabbing", von Landraub.

Atmo Coffeebreak (Stimmengewirr), oder leise Atmo Hotel
O-TON Henry Wilkes (Mann Englisch)
Sprecher 1
Wenn unsere Firma Ihr Vermögen verwalten soll, würden wir Projekte ab 10 Millionen Euro in Betracht ziehen. Wenn Sie einfach Ackerland kaufen und verpachten wollen, sollte es mindestens 5 Millionen wert sein, und wenn wir für Sie ein Portfolio zusammen stellen sollen, müssten Sie so 20 bis 25 Millionen Euro mitbringen.

Autor
Heimeliges Kaminfeuer in der Lobby. Hübsche Hostessen überreichen mit professionellem Lächeln Namensschildchen und Konferenzunterlagen. Obst, Kaffee und feines Gebäck stehen bereit. Beim "networking lunch" hat man das Buffet an allen vier Saalwänden aufgebaut, niemand soll anstehen müssen. Die knapp 2000 Dollar Konferenzgebühr sollen sich schließlich bezahlt machen.
Henry Wilkes, Vorstandsmitglied des Londoner Investmenthauses InvestAgSavills trägt Maßanzug mit Einstecktuch und pflegt das typische Stottern eines englischen Gentlemans. Er verwaltet große Landfonds im südlichen Afrika.

O-Ton Henry Wilkes (Mann englisch)
Autor
Agrarland so erklärt er mir, zeichne sich durch fünf Eigenschaften aus.
Erstens: durch 'starke Fundamentaldaten'. Im Klartext: die Weltbevölkerung nimmt zu, landwirtschaftlich nutzbare Flächen nehmen auf der ganzen Welt ab, also wird Agrarland immer wertvoller.
Zweitens: durch Stabilität. Auch bei einer Rezession liefere Agrarland stabile Erträge.
Drittens: in Zeiten von Inflation bleibe Agrarland wertbeständig.
Viertens korreliere es kaum mit anderen Anlageklassen und bringt langfristig höheren Gewinn.
Und schließlich wurde bisher wenig in Agrarland investiert, denn das sei nicht ganz einfach. "Aber Firmen wie unsere helfen Ihnen dabei", sagt Wilkes.
O-Ton Ende :And that's were the likes of our company helps and enables the investor to enter into the sector.

Atmo Dorfatmo beim Kochen
O-TON Kat Voin (Frau Khmer)
Sprecherin 2
Heute ist es gefährlicher als unter Pol Pot. Damals haben sie die umgebracht, die gegen die Regeln verstießen, heute bringen sie uns alle um, indem sie unser Ackerland rauben. Wir haben kaum noch zu essen und werden verhungern. 

Autor
Kat Voin hat in ihrem Leben schon vieles überstanden: Den US-amerikanischen Bombenhagel im Vietnam-Krieg, als der Ho-Chi-Minh-Pfad hier im Osten Kambodschas vorbeiführte und später die massenmörderische Herrschaft der Roten Khmer. Kat Voin gehört dem Volk der Steng an, einer ethnischen Minderheit im Land der Khmer. In Wald-Lichtungen bauen die Steng Reis und Maniokknollen an. Bargeld verdienen sie durch den Kauf von Waldfrüchten, Honig und Brennholz. Unter ihren Stelzenhäusern suhlen sich fette Schweine, die früher oder später ebenso im Kochtopf landen, wie die Hühner oder die Aale aus dem Fluss.

O-TON Kat Voin (Frau Khmer)
Sprecherin 2
Den Leuten, die mein Land wegnahmen, habe ich gesagt, dass wir sterben werden. "Keine Sorge", haben sie geantwortet, "es gibt genug Arbeit in der Company". 

Autor
Diese "Company" ist die vietnamesisch-kambodschanische Firma CIV Developement Company. Sie rückte eines Morgens im Mai 2008 mit Bulldozern an und rodete den Wald, der die Lebensgrundlage der Steng Gemeinschaften bildete. Gummiplantagen sollten hier entstehen ? bei den steigenden Kautschukpreisen eine profitable Investition. 

O-TON Saren Ket (Mann Khmer)
Sprecher 2
Wir waren sehr erstaunt, als wir erfuhren, dass die Company von der Regierung eine 99 Jahre-gültige Konzession für unser Land bekommen hat. 

Autor
Saren Ket ist der Sprecher der Steng-Gemeinschaft. Als Forstbeauftragter der Gemeinschaft konnte er eine Ausbildung machen. Er kennt die fortschrittlichen Landgesetze Kambodschas, die in den 90er-Jahren erlassen wurden und ethnischen Minderheiten wie den Steng besonderen Schutz einräumen. 

O-TON Saren Ket (Mann Khmer)
Sprecher 2
Die Behörden haben die Konzession illegal vergeben. Sie haben die gesetzlich vorgeschriebenen Schritte nicht eingehalten, daher sagen wir, dass sie es uns gestohlen haben. 

Autor
Saren Ket hat gewaltlosen Widerstand organisiert und die Rodungsarbeiten wurden einstweilen eingestellt. Doch die gerodeten Flächen hat die Company inzwischen bepflanzt. Tausende Setzlinge stehen noch bereit und zeigen, dass ihr Landhunger längst noch nicht gestillt ist.
Im Gegensatz zu den meisten Dorfbewohnern, die Angst haben, etwas gegen die Behörden zu unternehmen, bietet Saren Ket den Mächtigen aus Politik, hoher Beamtenschaft, aus Militär und Big Buisness die Stirn. Diese Clique ist dabei, alle Ressourcen Kambodschas zu Geld zu machen. Sie vergibt Konzessionen an kambodschanische Firmen oder joint ventures mit China, Vietnam, Südkorea oder Kuwait. Diese Verträge sind geheim. Saren Ket stört die Geschäfte. 

O-TON Saren Ket (Mann Khmer)
Sprecher 2
Als Anführer bin ich in den Augen der Regierung der gefährlichste Gegner. Die Behörden haben mich wegen Aufwiegelung angeklagt. Aber sie haben mich noch nicht vor Gericht geladen, denn sie haben nichts gegen mich in der Hand. 

Autor
Die "Company" versuchte auf andere Weise, Saren Ket zum Aufhören zu bewegen. 

O-TON Saren Ket (Mann Khmer)
Sprecher 2
Zuerst haben sie mir 10 000 US-Dollar angeboten, später 20 000. Dabei bin ich nur ein kleiner Mann, der protestiert. Man kann sich vorstellen, wie viel der Provinzgouverneur eingesteckt hat.
Ich habe das Geld nicht genommen. Es hätte mir nichts genützt. Unser Protest wäre zu Ende gewesen und unser ganzes Dorfes verschwunden.
In der Stadt hat einmal ein hoher Beamter zu uns gesagt, "Kambodscha ändert sich sehr schnell. Die Menschen hier kaufen sich heute ein Auto für 120 Tausend Dollar und bezahlen es bar. Selbst im reichen Amerika kaufen die meisten Menschen sich so ein Auto auf Raten." Als er das sagte, waren wir schockiert und sehr traurig. Sie verachten uns arme Leute, dabei kommen sie zu ihrem Reichtum, indem sie unser Land verkaufen. Wir wissen wie viel sie offiziell verdienen. Von ihrem Gehalt könnten sie sich so ein Auto nie leisten. 

Atmo Kat Voin
Autor
Mit den Wäldern wird auch die Kultur der Steng verschwinden. Sie glauben, dass die Geister, die sie vor Unheil schützen, in den Bäumen leben. 

O-TON Khat Voin (Frau Khmer)
Sprecherin 2
Wenn die Bäume gefällt werden, kommen die Geister in die Nähe unserer Hütten. Wir wissen aber nicht, wo sie leben. Wir steigen über sie hinweg oder treten auf sie. Sie können uns dann schaden. Einige Dorfbewohner sind schon krank geworden.

Autor
Der Schutz vor Unheil ist gerade jetzt bitter nötig. In der Provinz Battambang gab es einen Mann wie Saren Ket. Pitsch Sopon hatte den Protest der Dorfbewohner gegen den illegalen Landraub durch ein Südkoreanisches Unternehmen angeführt. Am 26. April 2010 wurde er von vier Unbekannten erschossen.

O-TON Susan Payne (Frau Englisch)
Sprecherin 1
...also noch mal, ich bin Susan Payne, Geschäftsführerin von Emergent. Wir bieten alternative Anlagemöglichkeiten an. Unter anderem haben wir einen Agrarfonds, der von Pretoria aus verwaltet wird. Mit diesem Fonds investieren wir in fünf Ländern, wir erzeugen rund 20 Agrarprodukte, haben 100 Angestellte vor Ort und 3000 Farmarbeiter. Landwirtschaft bietet derzeit die aufregendsten win-win Möglichkeiten, besonders in Afrika.
Atmo Coffeebreak 

Autor
Die meisten Teilnehmer der Genfer Konferenz sind Männer in Business-Uniform. Susan Payne fällt auf. Sie hat langes, rotes Haar und zwischen ihrem kurzen Rock und den hohen Absätzen zeigt sie viel Bein in glänzenden Strümpfen. Glanz verbreiten in diesen Kreisen auch ihre bisherigen Karrierestationen, die Investmentbanken JP Morgan und Goldman Sachs. 

O-TON Susan Payne (Frau Englisch)
Sprecherin 1
Afrika ist für uns das interessanteste Investitionsgebiet. Es ist riesig und verfügt über enorm viel unbewirtschaftetes Land ? 60 Prozent des weltweiten Angebots. Es hat viele, geduldige und willige Arbeitskräfte, von denen 70 Prozent bereits in der Landwirtschaft arbeiten. Wir haben 2005 mit einem Pilotprojekt in Sambia begonnen und in dreieinhalb Jahren 120 Prozent Gewinn gemacht. Im Oktober 2008 haben wir dann unseren ersten Agrar-Fonds aufgelegt. 

Autor
Innerhalb eines Jahres sammelte Susan Payne 500 Millionen Euro für ihren Agrar-Fonds und ist weiter auf Expansionskurs. Land gibt es in Afrika im Überfluss. Die meisten international agierenden Unternehmen betreiben Farmen, die vollständig bewässert sind und zwei Ernten pro Jahr ermöglichen. Mithilfe von Satellitenerkundung, Agrar- und Wasserexperten suchen sich die Investoren die besten Gebiete Afrikas aus. 

O-TON Susan Payne (Frau Englisch)
Sprecherin 1
Es ist das billigste Farmland der Welt, doch in den nächsten Jahren wird der Preis exponentiell steigen.
In Südafrika oder Sambia bekommen Sie erstklassige Flächen für 800 bis 1000 Dollar pro Hektar, in Argentinien oder Brasilien wäre ein Hektar 5000 bis 6000 Dollar wert, in England 21 000 und in Deutschland 24 000. Noch wichtiger für uns ist, dass wir genug Land bekommen. Wir wollen viel Land, sodass wir große Mengen Nahrung erzeugen können. 

Autor
Für die lokale Bevölkerung seien ihre Investitionen ein Segen, schwärmt Susan Payne. Sie baue Schulen, unterstütze Waisenhäuser, Sozialzentren, sorge mit Brunnen für Trinkwasser und statte die Arbeiter mit Uniformen und Fahrrädern aus. 

O-TON Susan Payne (Frau Englisch)
Sprecherin 1
Die Leute sind begeistert, der Dorfchef bedankt sich jedes Mal persönlich. Es ist wirklich bewegend. Es ist das Aufregendste, das ich in meinen 24 Jahren im Finanzsektor gemacht habe!

Atmo
O-TON Mundodan Razzaq (Mann, Englisch)
Sprecher 3
Ich heiße M. Razzaq und bin der Senior Manager von Karuturi Agro Products in Bako.
Wir haben hier 11 900 Hektar, davon wurden bis jetzt 5000 Hektar gerodet. Auf einem Drittel der Fläche haben wir bereits Drainagen und Wege angelegt. In der letzten Regenzeit haben wir Mais, Reis und Ölfrüchte angebaut. Jetzt sind wir dabei, ein Bewässerungssystem für die Sommerfrüchte zu installieren, außerdem reparieren wir die Landebahn, um mit dem Flugzeug spritzen zu können. Nächsten Juni wollen wir die gesamten 11 900 Hektar unter Bewirtschaftung haben.
Atmo

Autor
Herr Razzaq steht stolz auf seinem Feldherren-Hügel bei Bako, 220 km westlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Eine riesige Fläche erstreckt sich bis zu den Hügelketten am Horizont. 15 Kilometer lang und 7 Kilometer breit. 15 Tausend Fußballfelder hätten hier Platz.
Auf der Hälfte, die noch nicht gerodet wurde, stehen Büsche und kleine Bäume, dazwischen grasen hunderte von Kühen und Ziegen. 

O-TON Mundodan Razzaq (Mann, brüchiges indisches Englisch)
Sprecher 3
Ja, da sind jetzt ein paar Tiere, aber sobald wir mit dem Pflügen beginnen, wird man sie anderswo hinbringen. Es gibt ja genügend Weideland. Das ist kein Problem. 

Autor
Wo die Hügel in die Ebene übergehen stehen Lehmhütten-Dörfer. An den Hängen bebauen die lokalen Bauern ihre Felder auf roter Erde. In der Ebene dagegen ist die Erde schwarz. 

O-TON Mundodan Razzaq (Mann, brüchiges indisches Englisch)
Sprecher 3
Vorher wuchs hier nur Gras. Niemand hat das Land genutzt. Wir sind die ersten. Wir haben hier sehr fruchtbare, schwarze Erde und unsere Ernte wird die erste sein. Wir erwarten gute Erträge und brauchen kaum Dünger. Man hat uns völlig ungenutztes Land gegeben. 

Atmo Jeep

Autor
Tigre Mamo, Abeto Fekado, Hailu Kitler und Fikru Odadscho wohnen im Dorf neben der Farm. Im Dorf selbst wollen sie nicht mit mir sprechen. Wir fahren erst ein Stück mit dem Jeep, dann beginnen sie zu erzählen. 

Atmo Jeep Stehen bleiben, Tür zu, leise Vögel 

O-TON Abeto Fekado (Mann Oromo)
Sprecher 2
Als die Behörden das erste Mal von den ausländischen Investoren erzählten, versprachen sie uns Strom, bessere Gesundheitsversorgung, Schulen, Straßen und Wasser. Wir waren voller Hoffnung. Doch nichts davon haben wir bekommen. 

O-TON Tigre Mamo (Mann Oromo)
Sprecher 1
Wie mein Vater vor mir habe ich sowohl die Felder mit roter als auch die mit schwarzer Erde bestellt. Dann kamen die Behörden und sagten: "Euch gehören nur die Felder mit roter Erde, die schwarze Erde ist Regierungsland, das bekommen jetzt die Investoren."
Die Felder mit schwarzer Erde, die nun zur indischen Farm gehören, waren für uns viel wichtiger als die Felder mit der roten Erde. Wir haben darauf Mais, Teff-Getreide, Sesam, Kichererbsen und vieles mehr angebaut und unser Vieh konnte dort weiden.
Ich habe früher etwa 1000 Kilogramm Sesam pro Jahr geerntet und ebenso viel Teff. Heute kann ich fast nichts mehr anbauen, weil ich nicht mehr genügend Land habe. Ich kann meine Kinder nicht mehr ernähren.
Wenn mein Vieh nun in die Nähe der Farm kommt, wird es von den Wachmännern verjagt und falls es die Felder betritt, bringt man mich vor Gericht. Es sind schon einige Dorfbewohner aus diesem Grund ins Gefängnis gesperrt worden. 

O-TON Hailu Kitler (Mann Oromo)
Sprecher 3
Sie haben uns 25 Birr pro Tag versprochen. Als wir dann mit der Arbeit begannen, zahlten sie nur 12 Birr pro Tag. Doch als Tagelöhner hat man keinerlei Sicherheit. Wann immer es ihnen passt, brauchen sie nur zu sagen: "go out!"
Ich habe als Wächter gearbeitet, doch sie haben mich rausgeschmissen. Wenn man nur eine Minute zu spät kommt, wird man sofort gefeuert. 

O-TON Fikru Odadscho (Mann Oromo)
Sprecher 2
Seit mehr als einem Jahr arbeite ich auf der Farm als Schweißer und verdiene pro Monat 350 Birr (16 Euro). Das ist viel zu wenig. Ein angemessenes Gehalt für einen Schweißer beginnt bei 1000 Birr. Wir hatten große Hoffnungen, doch es geht es uns schlechter als zuvor.
Woanders würde ich mehr verdienen, doch hier lebt meine Familie, hier ist mein Dorf. Also bleibe ich und arbeite auf der Farm, trotz des geringen Lohns. 

Atmo Oromo Sprecher, leise Vögel

Autor
200 betroffene Familien ? rund 1000 Personen ? haben sich nun zu einer Bauernvereinigung zusammenschlossen und sich bei der Regionalregierung beschwert, dass sie von den Feldern vertrieben wurden. Bisher haben sie keine Antwort erhalten. Auch direkte Gespräche mit den neuen Eigentümern der Farm brachten keinen Erfolg. 

O-TON Tigre Mamo (Mann Oromo)
Sprecher 1
Sie sagen, unser Land sei nur das rote. "Das Land mit der schwarzen Erde gehört der Regierung und die hat es uns geben." 

O-Ton-Collage

Atmo Büro
Autor
Ich warte auf Esayas Kebede. Er ist der Chef der Investitionsagentur des äthiopischen Landwirtschaftsministeriums und damit Ansprechpartner für alle ausländischen Investoren, die hier Agrarland pachten wollen.
Bis er kommt, habe ich noch Zeit, das Plakat "Why invest in agriculture?? zu studieren. Die erste der neun Antworten lautet: "Boost Food Security" ? Nahrungsmittelsicherheit erhöhen.
Dann kommt er: groß, eleganter anthrazitfarbener Anzug, jemand, der sich in der Fünf-Sterne-Welt der Investoren zu bewegen weiß. Kaum hat er auf dem Sofa Platz genommen, beginnt er mit der Agrarland-Litanei. Wie oft er sie wohl Investoren schon vorgebetet hat?

O-Ton Esayas Kebede (Mann englisch)
Autor
Äthiopien habe eine Landfläche von 111 Millionen Hektar. Fast 70 Prozent davon seien für die Landwirtschaft geeignet, aber nur 14 Prozent würden gegenwärtig bewirtschaftet. Da es in Äthiopien kein Privateigentum an Land gibt, sondern alles Land dem Staat gehört, kann die Regierung es an Investoren vergeben. 3,6 Millionen Hektar ? das entspricht der Größe Belgiens ? habe man für Investoren bereit gestellt.
Ich berichte dem Chef der Investitionsagentur von den Bauern in Bako, denen man die Felder mit schwarzer Erde, das Land, das sie seit Generationen bewirtschaften, genommen hat.

O-TON Esayas Kebede (Mann, englisch)
Sprecher 2
Das ist falsch. Niemand wurde von seinem Land vertrieben. Unsere Verfassung räumt den Bauern höchsten Stellenwert ein. Unsere Bauern haben das Recht, ihr Land für immer zu besitzen. Wie könnte also jemand von seiner Farm vertrieben worden sein?
Außerdem: Unsere Bauern bewirtschaften gegenwärtig nur 15 Millionen Hektar, während 50 Millionen brach liegen. Warum sollten wir da jemanden von seinem Land vertreiben?

Atmo Waldroden
Autor
Links und rechts der 40 Kilometer langen Schotterpiste, die von der Provinzhauptstadt Gambella zur Karuturi-Farm führt, werden Urwälder gerodet. Ein Bulldozer wirft die Bäume um und schiebt sie beiseite. So schnell wird hier Ackerland geschaffen.
Vor 40 Jahren waren noch 40 Prozent Äthiopiens mit Wald bedeckt, heute sind es knapp drei Prozent. Und täglich wird es weniger. 

Atmo Waldroden Bäume krachen
Autor
Hier, im Westen des Landes sollen nach dem Willen der Regierung relativ unberührte Urwälder in Flächen für High-Tech Landwirtschaft verwandelt werden. Im Gegensatz zum dichtbesiedelten Hochland leben hier an der Grenze zum Sudan nur sehr wenige Menschen. Mit Steuerbefreiungen und extrem niedrigen Pachtraten lockt die Regierung ausländische Investoren. Einer der ersten Investoren in der Region Gambella war der in Äthiopien geborene saudische Scheich Al Amoudi. Seine Firma Saudi Star baut unter der Leitung pakistanischer Experten auf 10 000 Hektar Basmati Reis an. Die erste Ernte wurde 2009 zeremoniell an den Saudischen König übergeben.
Die größten Flächen hat sich das indische Unternehmen Karuturi gesichert. 

Atmo Karuturi Generator

Autor
Was bisher zu sehen ist, mutet bescheiden an: Fertigteilhäuser, Container und ein dröhnender Strom-Generator. Für Farm-Manager Karm-jiit Sekhon ist das Routine. Der 68-jährige Sikh hat bereits in anderen Ländern Afrikas Großfarmen geleitet. Er jongliert mit gewaltigen Zahlen. 

O-TON Sekhon (Mann englisch)
Sprecher 3
14, 15 000 Hektar Zuckerrohr, 40 000 Hektar Reis, 12 bis 18 000 Hektar Mais.
Das Bepflanzen ist einfach, das Schwierigere ist die Infrastruktur: Maschinen, Ent-wässerung, Bewässerung, internes Straßennetz, Tankstellen, Lagerhäuser, Werkstätten, Gesundheitsstationen - wir haben das alles geplant.
Im ersten Jahr wollten wir 60 000 Hektar bewirtschaften, im zweiten Jahr die ganzen 100 000. Man braucht drei Dinge: Maschinen, Menschen, Geld. Glücklicherweise haben wir alle drei.

Atmo: Traktor starten, "going nursery like this? If it is not too far!? Türe zu.

Autor
Satiisch schaltet die Lüftung ein. Es ist heiß im äthiopischen Tiefland.
Ich sitze im teuersten Auto meines Lebens. 500 000 Euro kostet der John Deer-Traktor mit allem Zubehör. GPS gesteuert. Made in USA. Mit 475 PS fährt mich der junge Inder zur Baumschule der Karuturi Farm.
Atmo "Each Tractor 100 Hectar per day!"
Autor
100 Hektar kann man mit diesem Traktor an einem Tag bearbeiten. 15 Traktoren wurden eben geliefert, Bestellsumme 10 Millionen Dollar. Wenn alle einsatzbereit sind, schaffen die indischen Farmbetreiber damit rund 10 000 Hektar pro Woche. Die Durchschnittsgröße eines Bauernhofs in Deutschland liegt bei 45 Hektar.
Bei der Baumschule nimmt mich Shiva Narayan in Empfang. Auch er kommt aus Indien. Er hat dort Biotechnologie studiert. 

Atmo Dschungel
O-TON Shiva Narayan Gambella (Mann englisch)
Sprecher 2
Wir haben hier 410 000 Ölpalmen ? das reicht für 3000 Hektar. Wenn wir alle ausgepflanzt haben, bekommen wir die nächsten 50 000 Sprösslinge aus Thailand. Es ist wirklich ein großes Projekt. 

Atmo Büro Karaturi "keep them happy.."

Autor
Ramakrishna Karuturi hat strahlendweiße Zähne, einen schwarzen Schnurrbart und ein Siegerlächeln. Pro Jahr erzeugt er in Indien, Kenia und Äthiopien 550 Millionen Rosen und ist damit der größte Produzent der Welt. Nun will Karaturi auch im Agrarsektor der Größte werden. Die Firma Karuturi Global Ltd. ist an der Börse in Bombay notiert. Börsenwert rund 1 Milliarde Dollar. Auch die Deutsche Bank zählt zu den Aktionären.
Ich habe den Weltagrarbericht gelesen, in dem es heißt, dass kleinbäuerliche Landwirtschaft wesentlich klimafreundlicher sei als die Agro-Industrie. Deshalb frage ich ihn, ob angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ölreserven eine organische, angepasste Landwirtschaft nicht viel zukunftsweisender wäre, als riesige Flächen mit Monokulturen, mit hohem Bedarf an Treibstoff, Kunstdünger, Pestiziden und künstlicher Bewässerung. 

O-TON Ramakrishna Karuturi (Mann englisch)
Sprecher 3
Auf solche Ideen kommen nur erleuchtete Intellektuelle, die nicht wissen, was Hunger ist.
Ein Blick auf die Welternährungssituation zeigt, dass die weltweiten Bestände für weniger als 70 Tage reichen. Ich glaube, noch nie seit die Menschheit einen gewissen Grad der Organisation erreicht hat, war sie so nahe am Verhungern.
Ich versuche Nahrung zu erzeugen, und da reden die Leute über Öl und Biolandbau. Organisch bedeutet natürlich. Ein paar Orangenbäume hier, ein paar Apfelbäume dort, dazwischen Mais ? wie im Paradies. Doch wir leben in einer Welt der Monokulturen. Hunderttausende Hektar Mais und Hunderttausende Hektar Sorghum. Das ist nicht natürlich. Wie könnte man Biologisches bei einer unnatürlichen Anbaumethode haben? Biologische Landwirtschaft, das ist Wunschdenken von Leuten, die keine Ahnung haben, was Hunger ist.

Atmo Dorf Ilea
Autor
Im Dorf neben Karuturis GPS gesteuerten High-Tech-Traktoren, neben dem dröhnenden Generator, spielen nackte Kinder zwischen strohgedeckten, runden Lehmhütten, die Mütter sitzen im Kreis, unterhalten sich und stillen dabei ihre Jüngsten. Kein Strom, keine Toiletten, kein Fernsehen. Nur eine Wasserpumpe und der Hinweis am Dorfladen, dass hier auch Telefonwertkarten erhältlich sind, lassen erkennen, dass die Dörfer im 21. Jahrhundert angekommen sind. Auch in die Planung der Zukunft hat man sie nicht einbezogen.
Ihre Hoffnungen seien enttäuscht worden, erklären die jungen Männer aus dem Dorf.

O-TON Gambella (Mann aus dem Dorf, Anuyak)
Sprecher 2
It's not good money ... . Money small, money Problem
600 Birr sind sehr wenig für die harte Arbeit, die wir leisten. Sie sollten mehr bezahlen. 

O-TON Gambella (Mann aus dem Dorf, Anuyak)
Karaturi, karaturi, karaturi ... operator
Sprecher 1
Es ist schlechte Arbeit.
Wir bekommen keine medizinische Versorgung, nichts zu essen und zu wenig bezahlt.
Ich habe jetzt schon 2 Jahre für Karuturi gearbeitet. Erst in der Baumschule, dann beim Roden. Ich habe sogar von meinem eigenen Geld einen Führerschein gemacht, trotzdem verdiene ich nicht mehr. 

Atmo Feuer
Autor
Auf meinem Rückweg sehe ich, dass Gras und Büsche zwischen den gefällten Bäumen abgebrannt werden. Die künftige Kornkammer der Welt?
Saudi Star will ausbauen und hier jährlich eine Millionen Tonnen Reis erzeugen, drei weitere indische Investoren haben Verträge unterzeichnet und auch Herr Sekhon von Karuturi hat große Träume. "Mein Chef sagt, wenn ich 200 000 Hektar gut bewirtschafte, bekomme ich eine Million."

O-Ton- Collage

Atmo Addis Landwirtschaftsministerium
O-Ton Esayas Kebede (Mann englisch)
By now I think the time is gone ... 

Autor
Bei meiner Frage nach der roten und der schwarzen Erde wird der Chef der Investitionsagentur in Addis Abeba ungeduldig. Er möchte das Gespräch beenden. Eine letzte Frage gesteht er mir noch zu.
"Auf ihrem Plakat steht 'boost food security' ? doch wenn die Investoren ihre Produkte exportieren, dann gibt es in Äthiopien doch nicht mehr Nahrung als heute."

Weiter O-Ton Esayas Kebede (Mann englisch)
Sprecher 2
Alles hängt vom Markt ab. Wenn der Investor einen guten Preis in Addis bekommt, verkauft er hier, wenn der Preis in Dubai höher ist, verkauft er dort. Die Investoren kommen wegen der win-win Situation.
Wenn wir ihnen vorschreiben würden, ihre Produkte im Land zu verkaufen, würden sie auf lange Sicht nicht mitspielen. lachen
Ihre Frage ist also völlig sinnlos!

Atmo Versammlung Stimmengewirr, Kinder
O-TON Kok Non (Frau Khmer)
Sprecherin 2
Mein Vater ist wegen unseres Landes erschossen worden. Er hat sich geweigert, es herzugeben.
Er hat nicht aufgehört, Mango- und Cashew-Bäume zu pflanzen.
Der Mörder kam zu unserem Haus. Er hat gerufen, "He, Bruder, ich bin besoffen, kann ich mich bei Dir ausruhen?" Als mein Vater vor die Tür trat, wurde er erschossen.

O-TON Pan Tsa Kon (Frau Khmer)
Sprecherin 1
Die Soldaten haben alles aus dem Haus auf die Straße geworfen. Dann haben sie die Stelzen angesägt und unser Haus ist eingestürzt. Die Reissäcke fielen auf die Straße, der Hühnerstall wurde zerstört, alle Küchengeräte, alles. Ich habe einen kleinen Not-Schuppen für den Reis gebaut, doch nach 2, 3 Tagen hat jemand ihn angezündet. 

O-TON Alija (Mann Khmer)
Sprecher 2
Am 29. Mai 2006 kamen Polizisten und Soldaten. Heute wissen wir, dass sie im Auftrag der Company handelten. Sie haben uns Dorfbewohner eingeschüchtert und verjagt. Als etwa 100 Familien gemeinsam versuchten, das Land zu schützen, begannen sie, auf uns zu schießen. Eine Frau wurde schwer verletzt.
Dass die Regierung unser Land an die Company vergeben hat, haben wir erst herausgefunden, als plötzlich auch Bulldozer kamen und unsere Bäume und das Gemüse wegschoben. 

Autor
Noch nie in meinen 15 Berufsjahren als Journalist haben sich so viele Menschen um mein Mikrophon gedrängt, um mir ihre Leidensgeschichte zu erzählen, wie hier im Süden Kambodschas.
20 000 Hektar ? die Koh Kong Zuckerrohrplantage zieht sich 30 Kilometer in die Länge und ist 7 Kilometer breit. Alle Bäume und Häuser, die im Weg standen, wurden mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht. 

Autor
Unter den Roten Khmer gab es kein Privateigentum an Grund und Boden. Das Katasterwesen wurde zerstört, daher verfügt kaum jemand heute über Dokumente, um seine Eigentumsrechte nachzuweisen. Doch das Gesetz erkennt die Rechte dennoch an. Wer ohne Konflikte mit seinen Nachbarn ein Grundstück für einige Jahre bebaut, hat Anspruch auf den Landtitel.
Die Menschen hier sind die rechtmäßigen Eigentümer ihres Landes.
Doch in den Augen der Mächtigen behindern sie den Fortschritt. Kambodscha ist ein fruchtbares Land und Männer wie Li Yong Pat wollen davon profitieren. Der Senator und Geschäftsmann hat gemeinsam mit thailändischen und vietnamesischen Geldgebern eine Zuckerfabrik gebaut und sich 20 000 Hektar Land für seine Zuckerrohrplantage mit Gewalt angeeignet. Die Gerichte standen willfährig zur Seite und verschafften seinen Projekten einen legalen Anstrich. Jedes gewünschte Dokument kann man in Kambodscha kaufen. Das Gerichtswesen hat laut Menschrechtsgruppen allein den Zweck, Regimegegner zu verfolgen und die Interessen der Mächtigen zu schützen. 

Atmo Phau Neung
O-TON Pau Neung (Frau Khmer)
Sprecherin 1
Ich kann diesen Ort nicht verlassen. Ich habe keine Eltern mehr, zu denen ich ziehen könnte. Unter größten Schwierigkeiten habe ich dieses Stückchen Land gekauft, wenn ich jetzt von hier vertrieben werde, muss ich sterben, ich weiß nicht, wo ich hin könnte und was ich tun soll. 

Autor
Seit 2004 sind etwa 300 000 Kambodschaner Opfer des sog. landgrabbing geworden. Grob gesprochen jeder 50. Einwohner.
Das thailändische Zuckerunternehmen, das in Li Yong Pats Plantage investierte, hat 2009 27 Millionen US-Dollar Gewinn gemacht. 2010 wurde erst mals Zucker aus Li Yong Pats Fabrik in die EU geliefert, an den britischen Lebensmittelkonzern Tate & Lyle. Die Investoren in Kambodscha profitieren von einem Abkommen mit der EU, das den am wenigsten entwickelten Ländern Zollfreiheit und unbeschränkten Marktzugang gewährt.
Auf der Homepage von Ly Yong Pats Unternehmensgruppe ist zu lesen: "Seine Exzellenz ergreift mit brillanten Schachzügen lokale und globale Chancen." 

Atmo 

Absage:
landgrabbing
Die globale Jagd nach Ackerland
Ein Feature von Christian Brüser

Sie hörten eine Produktion des Deutschlandfunks mit dem ORF 2011.
Es sprachen: Daniel Berger, Bernt Hahn, Renate Fuhrmann, Volker Risch, Josef Tratnik, Claudia Mischke und Jonas Baeck
Ton und Technik: Hendrik Manook und Jutta Stein
Regie: Burkhard Reinartz
Redaktion: Karin Beindorff

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